“Why, Sir, you find no man, at all intellectual, who is willing to leave London. No, Sir, when a man is tired of London, he is tired of life; for there is in London all that life can afford.”
— Samuel Johnson

Es gibt wahrscheinlich für jeden Menschen eine Stadt, in der er sich ab dem ersten Moment zu Hause fühlt. Meine große Städteliebe ist und bleibt London… oder East-London, um genau zu sein. London ist überteuert, es ist laut, chaotisch, kamerabestückt, überfüllt und viel zu bunt. Und trotzdem bekomme ich schon eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, Sonntag mittag über den Sunday Up Market auf Brick Lane zu schlendern, mich von Probierhäppchen zu Probierhäppchen durchzuschlagen, den Straßenkünstlern zuzuschauen und mich treiben zu lassen.

http://www.timeout.com/london/shopping/features/8802/Brick_Lane_Market_guide.html

Ich erinnere mich noch gut, als ich an einem nicht allzu fernen Silvesterabend auf der Londonbridge stand, das Feuerwerk betrachtete und dachte “Ich wohne hier, ist das nicht unglaublich!”. In ein Zimmer zurückkehrte, für das Gefängniszelle ein Kompliment wäre und für das ich mehr Miete zahlte als für eine durchschnittliche Drei-Zimmer-Wohnung in Würzburg, und mich einfach nur unendlich lebendig fühlte.

In London steht die Zeit nie still, es ist unprätentiös, echt, es vereint die großspurige Herrlichkeit der ehemaligen Kolonialmacht mit den Abgründen einer in vielen Dingen rassistischen und klassenorientierten Gesellschaft. Es ist mutig und neugierig, aber auch furchtbar traditionell und versnobt. Es finden sich die herrlichsten, stillsten, verträumtesten Orte und die verrücktesten, verquersten und kaputtesten Clubs, die gestresstesten und genervtesten Menschen (die alle unendlich wichtig sind) und die interessantesten, echtesten Begegnungen.

Und es ist besitzergreifend – und lässt mich nun schon seit fünf Jahren nicht mehr los…

 

P.S.: eine kurze Ergänzung aufgrund der aktuellen Ausschreitungen, zu denen ich aktuell noch gar keine Worte finde…

I am in London, still…

 

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