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“Gehört mein Körper noch mir?”

On 15. September 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Heute einfach nur große Vorfreude auf eine Woche Diskussion über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: wie weit ist paternalistische (Straf-)Gesetzgebung zulässig, wie weit darf der Staat die Verfügungsbefugnis über den eigenen Körper einschränken? Welche guten Gründe gibt es für derartige Strafgesetze, wie sollten sie sinnvoll gegenüber der Bevölkerung kommuniziert werden und wo liegen unumstößliche Grenzen?

Überdies wird in dieser Woche – und der Vorbereitungsphase – auch endlich einmal Zeit sein, sich mit einem weiteren, höchst spannenden Thema zu befassen, nämlich der sinnvollen Durchführung interdisziplinärer (transdisziplinärer?) Projekte. Meine bisherigen Erfahrungen mit Interdisziplinarität sind zwar durchwegs positiv, aber ich glaube, dass die Methodik immer noch weiter verbessert werden kann. Interdisziplinarität ist meiner Meinung nach trotz all ihrer Nachteile und Komplexität die Zukunft der Wissenschaft, und das keinesfalls nur, weil sie Grundlage für die Einwerbung von Drittmitteln ist, sondern weil sich die Probleme unserer Gesellschaft nur in sinnvoller und durchdachter Kooperation verschiedenster Wissenschaften lösen lassen. Und, ganz eigennützig, finde ich interdisziplinäres Arbeiten einfach unglaublich spannend.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich freue mich heute einfach nur auf Februar!

 
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“when they do it, it’s terrorism…

On 11. September 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

…and when we do it, it’s counter-terrorism.” So Noam Chomsky zur Definitionsmacht der westlichen Welt über Gut und Böse.

Seit Tagen schon flammt erneut die Diskussion über die Gründe, die mögliche Bekämpfung, die Folgen des islamistischen Terrorismus auf. Und auch wenn sich die kritischen Stimmen am westlichen Vorgehen mehren, so scheint es immer noch “politisch inkorrekt” zu sein, die andere Seite zu beleuchten, den Blick auf die kriminogenen Strukturen der beteiligten westlichen Länder zu werfen oder gar deren Legitimation im Krieg gegen den Terror zu bezweifeln. “Terrorismus” ist in den letzten Jahren weltweit zu einer Art Zauberformel geworden, die jeden Kritiker verstummen lassen soll. Ähnliches gilt für “Effizienz”, die plötzlich allein ausschlaggebend für den Erlass neuer Gesetze und freiheitseinschränkender Maßnahmen unterschiedlichster Art geworden ist. Erschreckend in einem Staat, der doch – in Art. 1 GG eindeutig festgelegt – auf einer deontologischen Denkweise basiert und in dem der Effizienz naturgemäß klare und unverrückbare Grenzen gesetzt sind. Doch das Beharren auf Freiheit, Rechtsstaatlichkeit oder anderen Fundamentalprinzipien unserer Gesellschaft ist aus der Mode gekommen und, wenn man manchen Diskussionen folgt, sogar moralisch zweifelhaft geworden. Dass dies das Beharren, unter Inkaufnahme aller damit verbundener Nachteile, umso wichtiger macht, steht im Gegenzug für mich außer Zweifel.

Es braucht, meine ich, nicht einmal erwähnt werden, dass am heutigen Tag die Opfer der Katastrophe vom 11. September 2001 im Vordergrund stehen sollten. Erwähnt werden muss vielleicht, dass Opfer dieser Katastrophe in allen Kulturen zu finden sind, und dass ihnen allen dasselbe Mitgefühl, dieselbe Achtung, dieselbe Würde zusteht.

 
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Weltkongress der IVR in Frankfurt – ein kleiner Dank

On 21. August 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Die besten Erlebnisse beginnen ja fast immer mit dem Gedanken: „Aber eigentlich hab ich doch zu viel zu tun…“ So erging es mir auch kurz bevor ich mich in den Zug nach Frankfurt setzte. Und dann wurde es doch eine inspirierende Woche voller interessanter Begegnungen und spannender Diskussionen, netter Abende in Frankfurter Hinterhof-Apfelwein-Wirtschaften und kontroverser Vorträge. Meine Bewunderung gilt den Organisatoren, die die Bedürfnisse mehrerer hundert Besucher, 30 Parallel-Workshops, ein dicht gedrängtes Plenarprogramm und ein abwechslungsreiches Sozialprogramm bewältigen mussten und dabei immer noch ein Lächeln übrig hatten. Und nachdem all diese Eindrücke auf einen eingeströmt sind, muss man dann auch noch entscheiden, in welche Richtung die Gedanken als Nächstes wandern sollen: Soll ich mich doch noch auf die Suche nach einer universalistischen Moral machen (die ich eigentlich längst abgehakt hatte)? Oder den ultimativen Gegenbeweis gegen die Willensfreiheit festklopfen? Sollte ich mich mit meinen erneut verstärkten Zweifeln an der Rechtsgutstheorie auseinandersetzen? Oder doch mal wieder Foucault lesen? Es sind immer wieder diese Momente, die diesen Beruf so wertvoll machen – wenn der Kopf so übervoll ist an neuen Gedanken und Argumenten, dass man eigentlich einfach nur eine Woche im Gras liegen, in den Himmel schauen und ihnen nachhängen möchte… Schön war’s!