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Gehört mein Körper noch mir?

On 4. Oktober 2012, in Robotik und Recht, by Susanne Beck

Wie in einem der vorherigen Artikel angekündigt, haben wir diese Frage in Würzburg intensiv diskutiert – heraus kamen fantastische Beiträge der Referenten, die jetzt in den nächsten Tagen / Wochen endlich erscheinen:

Tagungsband: Gehört mein Körper noch mir?

Für alle, die nicht immer auf fünf Links klicken wollen, hier noch die Zusammenfassung:

Die Auseinandersetzung mit den Grenzen der Verfügungsbefugnis über den eigenen Körper ist hochaktuell, wie etwa die Diskussion zur Beschneidung aus religiösen Gründen zeigt. Der Band enthält hierzu Beiträge aus unterschiedlichen Disziplinen. Im ersten Teil werden die Grundlagen und Grenzen interdisziplinärer Zusammenarbeit allgemein beleuchtet. Ein zweiter Komplex ist dem Spannungsfeld von Autonomie und Macht gewidmet, der aus philosophischer, theologischer, feministischer aber auch juristischer Perspektive untersucht wird; im Fokus stehen dabei immer wieder Fragen zu Paternalismus in einem liberalen Staat. Danach werden biomedizinische Fragen behandelt, also aktuelle Probleme des Schwangerschaftsabbruchs und der Sterbehilfe, sowie neue ethische Fragen bei Mind-Reading oder Enhancement. Der letzte Themenbereich beschäftigt sich mit Organspende- und handel, insbesondere mit der Möglichkeit der Kommerzialisierung der Lebendorganspende.

Ich kann es gar nicht erwarten, das Buch endlich in den Händen zu halten!

Vielen lieben Dank an alle Autoren, alle Helfer, an Nomos und an alle, die ich vergessen haben sollte ;-)

 

 

 
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Mensch – Maschine: ein veralteter Dualismus?

On 29. April 2011, in Robotik und Recht, by Susanne Beck

Humanoide Roboter und künstliche Intelligenz – wer hierbei noch an Science Fiction Romane denkt, ist schon lange nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die Forschung hat bereits eine erstaunliche Annäherung an menschliches Verhalten und Denkstrukturen erreicht. Neben der auf logische Abläufe reduzierten Rationalität sollen künftig vermehrt die Körperlichkeit sowie die Selbstwahrnehmung der Maschinen im Raum und in der sozialen Interaktion im Fokus stehen. Die Eigenaktivität der Maschinen nimmt zu, sie sind nicht mehr nur reaktiv, sondern interaktiv und unterscheiden sich damit deutlich von traditionellen, als Inbegriff des Zwangs von Bewegungen betrachteten Maschinen. Insbesondere in der Interaktion untereinander zeigt sich ihre neue Qualität: Multiagentensysteme mit mehr als tausend technischen Agenten können nicht mehr nach dem klassischen Maschinenmodell gebaut und gedeutet werden. Sie sind eher soziologischen als naturwissenschaftlichen Konzepten nachempfunden, die Problemlösung verläuft nicht individuell, sondern kollektiv.

Doch wie sind solche Maschinen zu kategorisieren? Werden sie auch wertungsmäßig dem Menschen immer ähnlicher? Wie ist auf der anderen Seite mit Menschen umzugehen, die sich immer mehr künstliche Teile einpflanzen lassen (Hirnschrittmacher, künstliche Sinnesorgane und Nervenstränge, bald vielleicht sogar Nanobots und Computerchips im Gehirn)? Ist ein menschliches Gehirn, das in einen Roboter verpflanzt wurde, noch Mensch?

Vielleicht muss man diese ganze Diskussion wirklich anders führen und sich vom Dualismus Mensch-Maschine verabschieden. Basiert diese Trennung doch auf einer traditionellen Denkweise, die den Menschen als frei von externe Zwängen und Gesetzen, als zur Selbstbestimmung eines freien Willens fähig, als „autonom“ betrachtet und die Maschine ihm als vollkommen determiniertes System gegenüber stellt. Heute fordern immer mehr Stimmen eine Auflösung dieses Dualismus. Autonomie ist nicht als ein „entweder-oder“, sondern als Skala zu denken: weder sei für den Menschen völlige Unabhängigkeit von externe Zwängen vorstellbar, noch seien kontemporäre maschinelle Aktionen im klassischen Sinn umfassend determiniert. Dem dualistischen Blick nur auf den Menschen oder nur auf die Maschine entgeht das Wesentliche der aktuellen Entwicklung: die Interaktion, die gegenseitige Beeinflussung und Veränderung, die wechselseitige Abhängigkeit oder gar, wie teilweise vertreten, die schon immer aufeinander bezogene Evolution von Mensch und Technik. Die moderne Entwicklung lässt sich nicht mehr in Polaritäten begreifen, sondern bedarf eines Verständnisses für das „Dazwischen“. Eine spannende und zugleich beängstigende Vorstellung: befinden wir uns in einer Zeit, in der sich der Dualismus zwischen Mensch und Maschine auflöst? Sich Technik und Gesellschaft immer mehr einander annähern?

Was bedeutet das für unseren Sonderstatus in der Schöpfung, für unsere Rechte, unsere Pflichten, und nicht zuletzt für den Status von Robotern und Cyborgs?

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