Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mich in den verschiedenen Medien zurecht gefunden habe. Und, ehrlich gesagt, noch immer habe ich nicht das Gefühl, mir eine wirklich fundierte Meinung bilden zu können über den Tod bin Ladens (Wäre es praktisch oder politisch anders möglich gewesen? Und ist das überhaupt die entscheidende Frage?), über den Eindruck des Fotos, über das sich nun Hillary wohl beschwert, weil es sie – das ist natürlich dramatisch – als emotionale Frau zeigt. Ich hatte jedenfalls Gänsehaut beim Betrachten von feiernden Menschen, die sich so lautstark über den Tod eines Menschen freuen, beim Statement unserer Kanzlerin, bei einigen Kommentaren, die man hier und da so liest und die einen um ein paar Jahrhunderte zurückzuversetzen scheinen. Ich bin aber auch froh, dass es zumindest in Deutschland doch ganz unterschiedliche Stimmen gibt und man zumindest noch nicht sofort als Terroristenfreund abgestempelt wird, weil man Zweifel äußert am Vorgehen der USA, am Wunsch nach Rache, am “Auge um Auge” Denken. Weil man sich um rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien sorgt angesichts derartiger Bilder, die den Tod und die Gewalt zelebrieren und feiern. Es mag daran liegen, dass Deutschland in den letzten Jahren eben keinen massiven Terroranschlag erleben musste; ich kann mich gut daran erinnern, wie anders die Stimmung in London war (und wie problematisch es war, dort laut Zweifel am “Krieg gegen Terroristen” zu äußern). Dann aber bin ich froh darum, dass uns diese Stimmung, diese Unerbittlichkeit, zumindest noch nicht überrannt hat. Denn ein wenig geht es mir wie dem Autor dieses Artikels: ich bin enttäuscht, dass es der Westen nicht schafft, dem Terrorismus nicht mit dessen Waffen zu begegnen. So spielen wir nach den Spielregeln der Terroristen – und selbst wenn wir dieses Spiel gewinnen, ist das kein Sieg unserer Kultur, unseres Rechtsstaats, unserer westlichen Freiheit.

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