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Lang, lang ist’s her…

On 3. April 2012, in Allgemein, by Susanne Beck

…mein letztes Posting.

In der Zwischenzeit ist viel passiert: viele spannende Tagungen (unter anderem der Workshop Ethik und das Treffen der Jungen Strafrechtler) und viele Anregungen, Ideen, neue Argumente. Auch unsere BMBF-Klausurwoche haben wir dank der tollen Referenten gut hinter uns gebracht.

Ab nächste Woche beginnt nun erst einmal ein neuer Abschnitt, auf den ich mich sehr freue, der aber auch zu ein paar Schmetterlingen im Bauch führt: Lehrstuhlvertretung in Gießen – hoffen wir, dass ich auf lauter wohlgesonnene Studenten treffe!

Und vorab noch ein wenig Werbung in eigener Sache: Bald erscheint der erste Band unserer Reihe “Robotik und Recht” für alle, die wissen wollen, was genau wir da eigentlich so forschen: http://www.nomos-shop.de/14429


 

 
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Und mal wieder: der Freie Wille…

On 22. September 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Gerade lese ich einen Artikel von mir Korrektur (und schäme mich nebenbei ein bisschen für mein immer noch holpriges Englisch). Aber da es wirklich ein ganz spannendes Thema ist, verbreite ich ein paar der Gedanken daraus mal in den unendlichen Weiten des Internets.

Freier Wille – was ist das eigentlich? Brauchen wir das Konzept für die Aufrechterhaltung unserer sozialen Regeln?

Zunächst mal: ich glaube ja nicht an einen Freien Willen im Sinne des Indeterminismus (und wie bei Glaubensfragen immer der Fall kann ich auch gar nicht verstehen, wie man etwas anderes glauben kann als ich…), sondern finde einzig den Kompatibilismus überzeugend. Falls sich dieser immer noch nicht hinreichend herumgesprochen hat: Frei sind unsere Entscheidungen nach dieser Ansicht nicht deshalb, weil wir im Moment der Entscheidung unvorhersehbar oder gar zufällig agieren (Zufall kann keine Basis von Freiheit sein), sondern weil sie Ausdruck unseres Charakters, unserer bis dahin gewachsenen Persönlichkeit und unserer Erfahrungen sind.

Dass wir etwas anderes glauben, also das Gefühl haben, etwas in uns hat diese Entscheidung ganz unabhängig von unserem bisherigen Leben und unseren (unendlich vielen) äußeren wie inneren Determinanten getroffen, liegt m.E. daran, dass wir uns beim Denken der Sprache bedienen. Da wir mittels Sprache alle Singularitäten, denen wir so begegnen, permanent abstrahieren, tun wir das auch mit unseren inneren Prozessen: wir kategorisieren den aus uns selbst heraus determinierten Entscheidungsprozess als „Entscheiden“, und erlangen dadurch das Gefühl, dass wir das unabhängig von unserem vorherigen Ich-Sein tun.

Was heißt das alles nun für das Strafrecht? Nun, abschaffen müssen wir es wohl nicht, auch wenn einige Neuro-Wissenschaftler da anderer Ansicht sind. Auch vom Tatstrafrecht müssen wir uns nicht umfassend verabschieden, kann doch die Tat Anlass zur Bestrafung bleiben – als Ausdruck dessen, wer der Täter in dem Moment der Tat ist. Dennoch hat ein ernst genommener Kompatibilismus für das Strafrecht gewisse Konsequenzen: die Beurteilung der Tat, die möglichen Gründe für Schuldunfähigkeit oder Entschuldigung und die Strafzumessung müssen zum einen den Charakter – und alle anderen Determinanten – des Täters konsequenter einbeziehen, zum anderen gerade überprüfen, inwieweit die Tat überhaupt Ausdruck der Persönlichkeit des Täters war. Das bedeutet gerade nicht die Bestrafung für einen „bösen“ oder „gefährlichen“ Charakter, sondern lediglich die Systematisierung dieser Konzepte.

Aber selbst wenn man den Kompatibilismus für unplausibel hält, erfordert auch eine nicht-normative Beobachtung der aktuellen Gesellschaft wohl eine Neukonzeptionierung bestimmter grundlegender Annahmen – aber die Gedanken hierzu spare ich mich dann doch für die Habil auf…

 

 
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“Gehört mein Körper noch mir?”

On 15. September 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Heute einfach nur große Vorfreude auf eine Woche Diskussion über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: wie weit ist paternalistische (Straf-)Gesetzgebung zulässig, wie weit darf der Staat die Verfügungsbefugnis über den eigenen Körper einschränken? Welche guten Gründe gibt es für derartige Strafgesetze, wie sollten sie sinnvoll gegenüber der Bevölkerung kommuniziert werden und wo liegen unumstößliche Grenzen?

Überdies wird in dieser Woche – und der Vorbereitungsphase – auch endlich einmal Zeit sein, sich mit einem weiteren, höchst spannenden Thema zu befassen, nämlich der sinnvollen Durchführung interdisziplinärer (transdisziplinärer?) Projekte. Meine bisherigen Erfahrungen mit Interdisziplinarität sind zwar durchwegs positiv, aber ich glaube, dass die Methodik immer noch weiter verbessert werden kann. Interdisziplinarität ist meiner Meinung nach trotz all ihrer Nachteile und Komplexität die Zukunft der Wissenschaft, und das keinesfalls nur, weil sie Grundlage für die Einwerbung von Drittmitteln ist, sondern weil sich die Probleme unserer Gesellschaft nur in sinnvoller und durchdachter Kooperation verschiedenster Wissenschaften lösen lassen. Und, ganz eigennützig, finde ich interdisziplinäres Arbeiten einfach unglaublich spannend.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich freue mich heute einfach nur auf Februar!