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Und mal wieder: der Freie Wille…

On 22. September 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Gerade lese ich einen Artikel von mir Korrektur (und schäme mich nebenbei ein bisschen für mein immer noch holpriges Englisch). Aber da es wirklich ein ganz spannendes Thema ist, verbreite ich ein paar der Gedanken daraus mal in den unendlichen Weiten des Internets.

Freier Wille – was ist das eigentlich? Brauchen wir das Konzept für die Aufrechterhaltung unserer sozialen Regeln?

Zunächst mal: ich glaube ja nicht an einen Freien Willen im Sinne des Indeterminismus (und wie bei Glaubensfragen immer der Fall kann ich auch gar nicht verstehen, wie man etwas anderes glauben kann als ich…), sondern finde einzig den Kompatibilismus überzeugend. Falls sich dieser immer noch nicht hinreichend herumgesprochen hat: Frei sind unsere Entscheidungen nach dieser Ansicht nicht deshalb, weil wir im Moment der Entscheidung unvorhersehbar oder gar zufällig agieren (Zufall kann keine Basis von Freiheit sein), sondern weil sie Ausdruck unseres Charakters, unserer bis dahin gewachsenen Persönlichkeit und unserer Erfahrungen sind.

Dass wir etwas anderes glauben, also das Gefühl haben, etwas in uns hat diese Entscheidung ganz unabhängig von unserem bisherigen Leben und unseren (unendlich vielen) äußeren wie inneren Determinanten getroffen, liegt m.E. daran, dass wir uns beim Denken der Sprache bedienen. Da wir mittels Sprache alle Singularitäten, denen wir so begegnen, permanent abstrahieren, tun wir das auch mit unseren inneren Prozessen: wir kategorisieren den aus uns selbst heraus determinierten Entscheidungsprozess als „Entscheiden“, und erlangen dadurch das Gefühl, dass wir das unabhängig von unserem vorherigen Ich-Sein tun.

Was heißt das alles nun für das Strafrecht? Nun, abschaffen müssen wir es wohl nicht, auch wenn einige Neuro-Wissenschaftler da anderer Ansicht sind. Auch vom Tatstrafrecht müssen wir uns nicht umfassend verabschieden, kann doch die Tat Anlass zur Bestrafung bleiben – als Ausdruck dessen, wer der Täter in dem Moment der Tat ist. Dennoch hat ein ernst genommener Kompatibilismus für das Strafrecht gewisse Konsequenzen: die Beurteilung der Tat, die möglichen Gründe für Schuldunfähigkeit oder Entschuldigung und die Strafzumessung müssen zum einen den Charakter – und alle anderen Determinanten – des Täters konsequenter einbeziehen, zum anderen gerade überprüfen, inwieweit die Tat überhaupt Ausdruck der Persönlichkeit des Täters war. Das bedeutet gerade nicht die Bestrafung für einen „bösen“ oder „gefährlichen“ Charakter, sondern lediglich die Systematisierung dieser Konzepte.

Aber selbst wenn man den Kompatibilismus für unplausibel hält, erfordert auch eine nicht-normative Beobachtung der aktuellen Gesellschaft wohl eine Neukonzeptionierung bestimmter grundlegender Annahmen – aber die Gedanken hierzu spare ich mich dann doch für die Habil auf…

 

 
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“Gehört mein Körper noch mir?”

On 15. September 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Heute einfach nur große Vorfreude auf eine Woche Diskussion über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt: wie weit ist paternalistische (Straf-)Gesetzgebung zulässig, wie weit darf der Staat die Verfügungsbefugnis über den eigenen Körper einschränken? Welche guten Gründe gibt es für derartige Strafgesetze, wie sollten sie sinnvoll gegenüber der Bevölkerung kommuniziert werden und wo liegen unumstößliche Grenzen?

Überdies wird in dieser Woche – und der Vorbereitungsphase – auch endlich einmal Zeit sein, sich mit einem weiteren, höchst spannenden Thema zu befassen, nämlich der sinnvollen Durchführung interdisziplinärer (transdisziplinärer?) Projekte. Meine bisherigen Erfahrungen mit Interdisziplinarität sind zwar durchwegs positiv, aber ich glaube, dass die Methodik immer noch weiter verbessert werden kann. Interdisziplinarität ist meiner Meinung nach trotz all ihrer Nachteile und Komplexität die Zukunft der Wissenschaft, und das keinesfalls nur, weil sie Grundlage für die Einwerbung von Drittmitteln ist, sondern weil sich die Probleme unserer Gesellschaft nur in sinnvoller und durchdachter Kooperation verschiedenster Wissenschaften lösen lassen. Und, ganz eigennützig, finde ich interdisziplinäres Arbeiten einfach unglaublich spannend.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich freue mich heute einfach nur auf Februar!

 
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“when they do it, it’s terrorism…

On 11. September 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

…and when we do it, it’s counter-terrorism.” So Noam Chomsky zur Definitionsmacht der westlichen Welt über Gut und Böse.

Seit Tagen schon flammt erneut die Diskussion über die Gründe, die mögliche Bekämpfung, die Folgen des islamistischen Terrorismus auf. Und auch wenn sich die kritischen Stimmen am westlichen Vorgehen mehren, so scheint es immer noch “politisch inkorrekt” zu sein, die andere Seite zu beleuchten, den Blick auf die kriminogenen Strukturen der beteiligten westlichen Länder zu werfen oder gar deren Legitimation im Krieg gegen den Terror zu bezweifeln. “Terrorismus” ist in den letzten Jahren weltweit zu einer Art Zauberformel geworden, die jeden Kritiker verstummen lassen soll. Ähnliches gilt für “Effizienz”, die plötzlich allein ausschlaggebend für den Erlass neuer Gesetze und freiheitseinschränkender Maßnahmen unterschiedlichster Art geworden ist. Erschreckend in einem Staat, der doch – in Art. 1 GG eindeutig festgelegt – auf einer deontologischen Denkweise basiert und in dem der Effizienz naturgemäß klare und unverrückbare Grenzen gesetzt sind. Doch das Beharren auf Freiheit, Rechtsstaatlichkeit oder anderen Fundamentalprinzipien unserer Gesellschaft ist aus der Mode gekommen und, wenn man manchen Diskussionen folgt, sogar moralisch zweifelhaft geworden. Dass dies das Beharren, unter Inkaufnahme aller damit verbundener Nachteile, umso wichtiger macht, steht im Gegenzug für mich außer Zweifel.

Es braucht, meine ich, nicht einmal erwähnt werden, dass am heutigen Tag die Opfer der Katastrophe vom 11. September 2001 im Vordergrund stehen sollten. Erwähnt werden muss vielleicht, dass Opfer dieser Katastrophe in allen Kulturen zu finden sind, und dass ihnen allen dasselbe Mitgefühl, dieselbe Achtung, dieselbe Würde zusteht.