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Weltkongress der IVR in Frankfurt – ein kleiner Dank

On 21. August 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Die besten Erlebnisse beginnen ja fast immer mit dem Gedanken: „Aber eigentlich hab ich doch zu viel zu tun…“ So erging es mir auch kurz bevor ich mich in den Zug nach Frankfurt setzte. Und dann wurde es doch eine inspirierende Woche voller interessanter Begegnungen und spannender Diskussionen, netter Abende in Frankfurter Hinterhof-Apfelwein-Wirtschaften und kontroverser Vorträge. Meine Bewunderung gilt den Organisatoren, die die Bedürfnisse mehrerer hundert Besucher, 30 Parallel-Workshops, ein dicht gedrängtes Plenarprogramm und ein abwechslungsreiches Sozialprogramm bewältigen mussten und dabei immer noch ein Lächeln übrig hatten. Und nachdem all diese Eindrücke auf einen eingeströmt sind, muss man dann auch noch entscheiden, in welche Richtung die Gedanken als Nächstes wandern sollen: Soll ich mich doch noch auf die Suche nach einer universalistischen Moral machen (die ich eigentlich längst abgehakt hatte)? Oder den ultimativen Gegenbeweis gegen die Willensfreiheit festklopfen? Sollte ich mich mit meinen erneut verstärkten Zweifeln an der Rechtsgutstheorie auseinandersetzen? Oder doch mal wieder Foucault lesen? Es sind immer wieder diese Momente, die diesen Beruf so wertvoll machen – wenn der Kopf so übervoll ist an neuen Gedanken und Argumenten, dass man eigentlich einfach nur eine Woche im Gras liegen, in den Himmel schauen und ihnen nachhängen möchte… Schön war’s!

 
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London… eine Liebeserklärung

On 5. August 2011, in Auf Tour, by Susanne Beck

“Why, Sir, you find no man, at all intellectual, who is willing to leave London. No, Sir, when a man is tired of London, he is tired of life; for there is in London all that life can afford.”
— Samuel Johnson

Es gibt wahrscheinlich für jeden Menschen eine Stadt, in der er sich ab dem ersten Moment zu Hause fühlt. Meine große Städteliebe ist und bleibt London… oder East-London, um genau zu sein. London ist überteuert, es ist laut, chaotisch, kamerabestückt, überfüllt und viel zu bunt. Und trotzdem bekomme ich schon eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, Sonntag mittag über den Sunday Up Market auf Brick Lane zu schlendern, mich von Probierhäppchen zu Probierhäppchen durchzuschlagen, den Straßenkünstlern zuzuschauen und mich treiben zu lassen.

http://www.timeout.com/london/shopping/features/8802/Brick_Lane_Market_guide.html

Ich erinnere mich noch gut, als ich an einem nicht allzu fernen Silvesterabend auf der Londonbridge stand, das Feuerwerk betrachtete und dachte “Ich wohne hier, ist das nicht unglaublich!”. In ein Zimmer zurückkehrte, für das Gefängniszelle ein Kompliment wäre und für das ich mehr Miete zahlte als für eine durchschnittliche Drei-Zimmer-Wohnung in Würzburg, und mich einfach nur unendlich lebendig fühlte.

In London steht die Zeit nie still, es ist unprätentiös, echt, es vereint die großspurige Herrlichkeit der ehemaligen Kolonialmacht mit den Abgründen einer in vielen Dingen rassistischen und klassenorientierten Gesellschaft. Es ist mutig und neugierig, aber auch furchtbar traditionell und versnobt. Es finden sich die herrlichsten, stillsten, verträumtesten Orte und die verrücktesten, verquersten und kaputtesten Clubs, die gestresstesten und genervtesten Menschen (die alle unendlich wichtig sind) und die interessantesten, echtesten Begegnungen.

Und es ist besitzergreifend – und lässt mich nun schon seit fünf Jahren nicht mehr los…

 

P.S.: eine kurze Ergänzung aufgrund der aktuellen Ausschreitungen, zu denen ich aktuell noch gar keine Worte finde…

I am in London, still…

 

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