Die Frankfurter Tagung zum Thema “Autonome Automaten”, auf der Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen verschiedene Aspekte menschlicher Maschinen und maschineller Menschen beleuchteten, war nicht nur inspirierend, sondern auch informativ.

Besonders fasziniert haben mich einige neue Fallbeispiele zum Einsatz von Hirnschrittmachern. Diese können scheinbar nicht nur zu Kleptomanie und übermäßiger Religiosität (gut, das empfinde ich nun fast als Tautologie) führen, sondern auch zu Dingen wie dem Schreiben von Autobiografien, dem Auswechseln der Freundin und der Verschwendung des Vermögens zur Erhöhung der Lebensqualität. Hierbei handelt es sich, man beachte, um Symptome von Manie… (nun gut, wenn man überlegt, wer in der letzten Zeit Autobiografisches von sich gegeben hat, könnte da durchaus etwas dran sein…)

Interessanterweise hat sich der Patient, der sich in diesem Zustand befand, bei Befragung (bei ausgeschaltetem Hirnschrittmacher) nicht etwa für ein dauerhaftes Abstellen und damit eine Anpassung an die Normalität der Gesellschaft entschieden, sondern dafür, dann doch lieber dauerhaft “ver-rückt” zu bleiben (und in einer psychatrischen Anstalt leben zu müssen).

Diese Geschichten haben mich nun in zwei Richtungen verwirrt: Wie gehen wir mit der Verantwortlichkeit maschinisierter Menschen um? Und wie mit unserer Tendenz, absonderliche Wesensmerkmale zu pathologisieren? Muss man auf diese Maschinen verzichten, wenn man weiß, dass sie einen unzurechnungsfähig machen? Und ab wann ist man in unserer Gesellschaft eigentlich tatsächlich nicht mehr “normal”? Oder auch, um es mit den Worten der Kommerzialität zu sagen: Sind wir nicht alle ein bisschen manisch?