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Die Folgen von Hirnschrittmachern oder Ab wann beginnt Manie?

On 19. Juli 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Die Frankfurter Tagung zum Thema “Autonome Automaten”, auf der Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen verschiedene Aspekte menschlicher Maschinen und maschineller Menschen beleuchteten, war nicht nur inspirierend, sondern auch informativ.

Besonders fasziniert haben mich einige neue Fallbeispiele zum Einsatz von Hirnschrittmachern. Diese können scheinbar nicht nur zu Kleptomanie und übermäßiger Religiosität (gut, das empfinde ich nun fast als Tautologie) führen, sondern auch zu Dingen wie dem Schreiben von Autobiografien, dem Auswechseln der Freundin und der Verschwendung des Vermögens zur Erhöhung der Lebensqualität. Hierbei handelt es sich, man beachte, um Symptome von Manie… (nun gut, wenn man überlegt, wer in der letzten Zeit Autobiografisches von sich gegeben hat, könnte da durchaus etwas dran sein…)

Interessanterweise hat sich der Patient, der sich in diesem Zustand befand, bei Befragung (bei ausgeschaltetem Hirnschrittmacher) nicht etwa für ein dauerhaftes Abstellen und damit eine Anpassung an die Normalität der Gesellschaft entschieden, sondern dafür, dann doch lieber dauerhaft “ver-rückt” zu bleiben (und in einer psychatrischen Anstalt leben zu müssen).

Diese Geschichten haben mich nun in zwei Richtungen verwirrt: Wie gehen wir mit der Verantwortlichkeit maschinisierter Menschen um? Und wie mit unserer Tendenz, absonderliche Wesensmerkmale zu pathologisieren? Muss man auf diese Maschinen verzichten, wenn man weiß, dass sie einen unzurechnungsfähig machen? Und ab wann ist man in unserer Gesellschaft eigentlich tatsächlich nicht mehr “normal”? Oder auch, um es mit den Worten der Kommerzialität zu sagen: Sind wir nicht alle ein bisschen manisch?

 
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PID – endlich Rechtssicherheit

On 7. Juli 2011, in Allgemein, by Susanne Beck

Nach langer Diskussion hat der Bundestag heute endlich die (beschränkte) Zulassung der PID beschlossen – mit absoluter Mehrheit! Wer hätte das gedacht?

Ich nicht, um ehrlich zu sein. Umso erfreulicher, dass sich langsam eine Zurückhaltung des Gesetzgebers bei Verboten in derart umstrittenen Fragen zu entwickeln scheint (ganz unabhängig davon, dass auch die damit verbundene Rechtssicherheit zu begrüßen ist – auch wenn der BGH und, ganz unbescheiden, auch ich ja schon vorher eine Straflosigkeit der PID nach dem ESchG vertraten). Man mag zur PID moralisch stehen wie man will, man mag sich persönlich entscheiden, sie im Fall des Falles nicht selbst durchzuführen: es ist in unserem Staat in moralisch derart umstrittenen Fragen nun einmal nicht zulässig, Handlungen (womöglich noch strafrechtlich) zu verbieten, die nicht auch der gesamtgesellschaftliche Konsens als verwerflich ansieht.

Mit der Entscheidung über die Zulassung ist keinesfalls der “Selektion” Tür und Tor geöffnet, sie ist lediglich Ausdruck eines freiheitlichen Rechtsstaats, der die Privatsphäre seiner Bürger respektiert, in sich widersprüchliche Regelungen zu vermeiden versucht und absolute Handlungsverbote auf ein Minimum beschränkt.

Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Staats- und Rechtsverständnis, das den Unterschied zwischen moralischer und rechtlicher Verwerflichkeit anerkennt, auch in anderen (bioethischen) Fragen verstärkt durchsetzt. Nicht alles, was man persönlich für verwerflich hält, muss auch für alle anderen verboten sein – würde sich diese doch eigentlich recht simple Erkenntnis in der Gesellschaft nur etwas mehr verbreiten, wäre das Problem der Strafrechtsexpansion zumindest etwas weniger dramatisch. Aber wie die heutige Entwicklung zeigt: es besteht noch Hoffnung!