Es gibt wahrscheinlich nur noch wenig Ungesagtes zum Fall Kachelmann. Schelte der vermeintlich rachsüchtigen Ex-Freundin oder “Bashing” des offenkundig narzisstisch veranlagten notorischen Lügners und Weiberhelden findet sich inzwischen zur Genüge. Finde ich auch gar nicht so spannend. Ich glaube, dass sich an diesem Fall doch einige recht grundsätzliche Fragen unserer Gesellschaft entzünden – von der Möglichkeit, seine Privatsphäre in Zeiten des Internets und der Medienübermacht zu erhalten, über Diskussionen zu Vorverurteilungen und Rechtsstaatlichkeit bis hin zur scheinbar immer noch nicht überwundenen Abhängigkeiten zwischen Mann und Frau. Und natürlich Persönlichkeitsstörungen, sind ja auch spannend und irgendwie auch Phänomen unserer Zeit. In diesem Fall steckt  – ganz unabhängig davon, wer hier letztlich lügt oder die Wahrheit sagt – so viel Egoismus, Narzißmus, Rachsucht – alles irgendwie doch geboren aus einer grundlegenden Einsamkeit, der Unfähigkeit zu echter, liebevoller Zuwendung und echtem liebevollen Loslassen.  Diese Diskussion hat mir irgendwie gefehlt in dem ganzen Drama. Dieser Blick auf den Zeitgeist, den Kachelmann doch recht gut, wenn auch sicherlich in extremer Weise, verkörpert. Und irgendwie auch die Nebenklägerin.

Ich hätte bei dem Fall nicht Richter sein wollen, und bin mal wieder froh, nicht zwischen schwarz und weiß entscheiden zu müssen in einer Welt von Grauzonen. Auch irgendwie feige, oder?